Das Problem ist nicht ein Mangel an Daten, sondern ihre Fragmentierung in Silos. Dem wollen wir aktiv begegnen: Mit dem Launch des Urban Data [Gap] Labs schaffen wir eine Plattform, auf der Kommunen, Forschung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam daran arbeiten, Datenkooperationen für das Gemeinwohl zu ermöglichen und die kommunale Perspektive in der Datendebatte zu stärken.
Produktionsdaten, Sensordaten, Gesundheitsdaten, Plattformdaten oder Informationen aus Energieversorgung, Forschung und Verwaltung liegen heute an vielen unterschiedlichen Stellen: bei Unternehmen, Krankenkassen, Verkehrsverbünden, digitalen Plattformen, wissenschaftlichen Einrichtungen oder öffentlichen Institutionen. Viele dieser Daten könnten erheblichen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen, wenn sie man sie stärker nutzen könnte: etwa, um bei steigenden Temperaturen Hitzebelastungen und gesundheitliche Risiken frühzeitiger zu erkennen oder um Bildungs- und Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche bedarfsgerechter zu planen.
Doch genau diese Potenziale bleiben häufig ungenutzt.
Denn obwohl relevante Daten bereits existieren, sind sie oft schwer zugänglich, organisatorisch voneinander getrennt oder nur innerhalb einzelner Systeme nutzbar. Gleichzeitig fehlen vielfach tragfähige Modelle dafür, wie Daten vertrauenswürdig über institutionelle Grenzen hinweg geteilt und für Gemeinwohlzwecke nutzbar gemacht werden können: rechtssicher und mit klarem Nutzen für alle Beteiligten.
Gerade Kommunen könnten von besseren Datenzugängen erheblich profitieren.
Viele kommunale Entscheidungen, etwa zur klimaresilienten Stadtentwicklung, Gesundheitsversorgung oder Sozialplanung, werden unter hohem Zeitdruck und bei knappen Kassen getroffen. Gleichzeitig fehlen häufig genau die Daten, die helfen würden, Bedarfe kleinräumig zu erkennen, Ressourcen gezielter einzusetzen oder Maßnahmen wirksamer zu priorisieren.
Dabei werden Kommunen in aktuellen Debatten rund um Datenökonomie, Datenteilen oder neue Datenzugangsrechte bislang oft nur am Rande berücksichtigt. Häufig gelten sie vor allem als Anwender digitaler Lösungen, nicht jedoch als eigenständige Datenakteure mit spezifischen Bedarfen, Verantwortlichkeiten und Handlungsspielräumen.
Gerade auf kommunaler Ebene zeigt sich jedoch besonders deutlich, worauf es beim Datenteilen tatsächlich ankommt: Welche Daten werden wirklich gebraucht? Welche Anreize brauchen Datenhalter:innen, um Daten zu teilen? Welche Governance-Modelle schaffen Vertrauen? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen braucht verantwortungsvoller Datenaustausch? Und wie lassen sich auch sensible oder nicht-offene Daten verantwortungsvoll nutzen, damit daraus konkreter gesellschaftlicher Mehrwert für Kommunen und ihre Bürger:innen entsteht?
Genau hier setzen wir mit dem Urban Data [Gap] Lab an.
Mit dem Launch des Urban Data [Gap] Labs bündeln wir die Ergebnisse des Ende 2025 abgeschlossenen Explorationsprojekts „Kommunale Datenkooperationen fürs Gemeinwohl“ und führen dessen Arbeit unter neuem Namen weiter: niedrigschwellig, strukturiert und offen für Beteiligung.
In unserer Urban Data [Gap] Community identifizieren wir gemeinsam mit Kommunen, Forschung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft konkrete kommunale Datenlücken. Daraus entwickeln wir praxisnahe Use Cases für neue Formen des Datenteilens und arbeiten daran, die dafür nötigen strukturellen und politischen Rahmenbedingungen zu stärken. Ziel ist es, Daten dort verfügbar und nutzbar zu machen, wo sie Kommunen helfen, Herausforderungen besser zu verstehen und wirksamer zu handeln.
Im Mittelpunkt stehen dabei keine abstrakten Technologielösungen, sondern konkrete Fragen aus der kommunalen Praxis: Wie können Daten helfen, Hitzebelastungen besser zu erkennen, soziale Bedarfe gezielter zu adressieren oder knappe Ressourcen wirksamer einzusetzen? Und wie kann Datenteilen so organisiert werden, dass Vertrauen, Verantwortlichkeiten und Nutzen für alle Beteiligten klar sind?
Mehr Informationen, aktuelle Workshoptermine und Möglichkeiten zur Teilnahme finden Sie auf unserer neuen Website: www.urban-data-gap.de
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